Heilpflanze

Heilpflanze Juli 2018 – Wegwarte

Wegwarte – die blaue Blume der Sehnsucht

Es war einmal eine Prinzessin, deren Geliebter  – ein junger Ritter- für einen Kreuzzug nach Jerusalem geritten war. Darüber war die Prinzessin so traurig, dass sie am liebsten gestorben wäre. Doch so traurig sie auch war, so hegte sie auch große Hoffnung, ihren Ritter wiederzusehen. Jeden Morgen glaubte sie von neuem daran, dass er eines Tages zu ihr zurückkehren würde. Mit all ihren Kammerzofen hielt die Prinzessin jeden Tag erneut am Wegesrande Ausschau nach ihrem Prinzen. Und schließlich erbarmte sich der liebe Gott im Himmel dieser sehnsüchtigen Schar und verwandelte alle in schöne Blumen, damit sie am Wege immer Ausschau nach ihm halten konnten. Die  Prinzessin wurde eine weiße und die Zofen wurden blaue Wegwarten.
Und so wartet die Wegwarte noch immer, voller Sehnsucht, am Weg.

Zahlreiche Mythen  ranken um diese, etwas in Vergessenheit geratene Wildblume. Zu dieser Jahreszeit verschönert sie unser Straßenbild, wächst sie doch wild an Schnellstraßen, Autobahnen und in Pflasterfugen. Im Garten ist sie leicht zu kultivieren, sie liebt kalkreiche oder sandige Böden und sieht besonders hübsch im Wildblumenbeet zwischen Schafgarbe, Königskerze und Mohn aus.

 

 

 

Feste Öffnungszeiten

Sonnenwedel wird sie noch genannt, weil sie ihre Blüten nach dem Stand der Sonne öffnet. Sie besteht auf festen Blütenöffnungszeiten, nachmittags nie lautet ihre Devise und bei Regenwetter bleiben ihre Blüten gleich geschlossen.
Die Wegwarte ist eine Pflanze der Sonne, die gebraucht wird, um jedes Hindernis im Leben zu überwinden.


 

Chicory – die Mütterlichkeitsblüte

Dr. Edward Bach nahm sich ihrer Mitte der 30iger Jahre des letzten Jahrhunderts an. Seiner Meinung nach bringt sie uns von der fordernden Liebe zur gelassenen Liebe. Er ordnet sie einer besitzergreifenden Persönlichkeitshaltung zu, mit der man sich bewusst oder unbewusst überall einmischt und soll uns nach Einnahme der Bachblüte zu Uneigennützigkeit und bedingungsloser Liebe führen.

 

 

 

Heilanwendung

Neben Inulin enthält die Pflanze Gerb- und Mineralstoffe, Eiweiß, Kautschuk und den Bitterstoff Intybin. Ihre Inhaltsstoffe haben eine entgiftende, anregende und stärkende Wirkung auf Leber und Galle. Die Wegwarte wurde alters her bei Melancholie zur Reinigung der Seele und des Körpers empfohlen, denn sie zählt als eine der wenigen Pflanzen zu denen, die eine positive Wirkung auf die Milz haben. Angewendet wird sie als Tee oder Tinktur. Nicht zu empfehlen ist sie bei bekanntem Gallensteinleiden oder bei Allergie gegen Korbblütler.

Von der Wegwarte zum Muckefuck

„Kaffewurzel“  wurde die Wegwarte früher auch  genannt. Im 18. Jahrhundert, während des staatlichen Monopols auf Bohnenkaffee, machte sich der Hofgärtner Timme als Erfinder des Zichorienkaffees einen Namen. Aus den gerösteten Wurzeln wird ein Mehl hergestellt, das, mit heißem Wasser übergossen, ein aromatisches kaffeeähnliches Aroma entfaltet. Auch heute noch ist der Muckefuck, der übrigens auf das französische Wort „mocca faux“ – falscher Kaffee zurückgeht, in Reform- und Bioläden erhältlich.