Heilpflanze

Heilpflanze August 2018 – Beifuß

Beifuß – ein Allerweltskraut mit großer Wirkung

Eine Schönheit ist Artemisia vulgaris, wie Beifuß lateinisch heißt, nicht unbedingt. Das etwas in Vergessenheit geratene Kraut kann sich auf Grund seiner starken Heilwirkung allerdings durchaus sehen lassen.

 

 

Zu finden ist er an sonnigen, warmen und trockenen Standorten, an Wegrändern, Bahndämmen, auf Wiesen und Halden.

Besondere Ansprüche stellt er nicht, auf nährstoffreichen Böden wächst er besonders üppig, aber er ist auch mit einer kargen Mauerritze durchaus zufrieden.  

Traditionell wird  Beifuß vor allem an Weihnachten verwendet, wenn der Gänsebraten auf den Tisch kommt, weshalb er auch Gänsekraut genannt wird.
Aufgrund seiner Bitterstoffe sind die Blätter des Beifußes ein hilfreiches Gewürz bei fetten Mahlzeiten aller Art und so macht man sich seine verdauungsfördernde, die Magen- und Gallesaftsekretion anregende Wirkung zu Nutze.
In der Volksmedizin wird er bei Hämorrhoiden, Leber-und Gallebeschwerden oder Steinleiden verwendet.
Außerdem hat er eine leicht beruhigende Wirkung, weshalb er bei Nervosität angewendet werden kann.

 

 

Beifuß macht müde Beine munter

Seinen Namen Beifuß verdankt er dem Umstand, dass er bei schweren, geschwollenen Füßen hilft, weshalb sich in früheren Zeiten angeblich römische Soldaten, die lange zu Fuß unterwegs waren, Beifußzweige in die Stiefel gelegt haben. Heutzutage würde man eher auf Massageöl mit Beifußextrakt zurückgreifen.

Massageöl für müde geschwollene Beine:

Füllen Sie ein Glas mit Schraubverschluss mit Beifußblättern und –blüten und gießen Sie Mandelöl bis zum Rand dazu. Stellen Sie es für zwei Wochen an einen sonnigen Platz und schütteln Sie es von Zeit zu Zeit durch. Dann seihen Sie es in eine dunkle Flasche ab und stellen es kühl.

Reiben Sie sich die Beine damit ein nach einer anstrengenden Wanderung oder einem langen Tag im Stehen.

 

Weiberkraut – Beifuß

Als Mutter aller Kräuter wurde Artemisia von Walahfried Strabo, einem Abt von der Insel Reichenau, im Mittelalter bezeichnet. Man unterstellte sie dem Schutz von Göttinnen. Neben den griechischen Göttinnen Diana und Artemis war sie in Ägypten der Isis geweiht.

Jungfernkraut heißt es noch, weil es eine stark erwärmende, entkrampfende und durchblutungsfördernde Wirkung auf den weiblichen Unterleib hat.
Es befeuert die Beckenkraft, was speziell in Zeiten von Bewegungsmangel und dem Fehlen einer Beckenkultur in den westlichen Ländern mit einer ganzen Reihe von Frauenleiden zusammenhängen könnte.

Es wird verwendet bei schwacher oder ausbleibender Menstruation, zur Fruchtbarkeitssteigerung, bei chronischen Blasen- und Vaginalinfekten, bei hormonellem Ungleichgewicht sowie bei Beckenboden- und Blasenschwäche. Auch bei Endometriose kann Artemisa unter Umständen einen ersten Impuls zur Heilung geben.

 

 

Artemisia – eine alte Schamanenpflanze

Schon vor 70 000 Jahren wurde Beifuß bei Bestattungsriten verwendet. So kann er auch als Schwellenpflanze gesehen werden.
Als Räucherung unterstützt er das Trauern, Loslassen, Wandeln.
Und Schamanen benutzen ihn als Vorbereitung für ihren Seelenflug.

Ein im Schlafzimmer aufgehängter Kräuterstrauß soll Traum und Intuition fördern.

Moxakraut

In der traditionellen chinesischen Medizin wird Beifuß zur Moxibustion, kurz Moxen verwendet. Dabei werden kleine Kräuterkegel auf der Haut an bestimmten Akupunkturpunkten erwärmt, um das Qi anzuregen. Es gibt verschiedene Methoden, mit oder ohne Nadeln, direkt auf der Haut oder indirekt mit einer Scheibe Ingwer oder Knoblauch dazwischen.


In meiner Praxis moxe ich gerne den Bauchnabel von Patientinnen mit schwacher Menstruation oder allgemeinem Energiemangel und Kältegefühl.
Dabei wird der Bauchnabel mit Salz gefüllt und eine kleine Beifußkugel zum Glimmen gebracht.
Vorsicht: Nicht geeignet zur Selbstanwendung, um Verbrennungen zu vermeiden.

 

 

Beifuß in der Krebstherapie

Dass der einjährige Beifuß (Artemisia annua) bei Malaria erfolgreich eingesetzt werden kann, ist schon länger bekannt.

„Artemisia annua“ wirkt aber auch zerstörerisch auf besonders schnell wachsende Krebszellen, ohne gravierende Nebenwirkungen zu verursachen.

In diesem Fall werden die Patienten in Form von Infusionen behandelt.