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Gender Medizin – Frauen werden anders krank

Gender Medizin – Frauen werden anders krank

 

Gender Medizin ist die internationale Fachbezeichnung für Medizin unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten.
Die Berliner Charitè besitzt die einzige Fakultät in Deutschland, die sich ein eigenes Institut für Geschlechterforschung in der Medizin leistet.

Doch warum ist das so, dass Frauen, im Vergleich zu Männern, zu verschiedenen Erkrankungen eine besondere Affinität entwickeln, bzw. unterschiedlich reagieren?

Verschiedene Faktoren spielen bei der Krankengenese von Frauen eine Rolle:

Gene
Auf dem X-Chromosom liegen ungefähr 1500 Gene, die eine wichtige Funktion für Herz/Kreislauf, Hirnfunktion und Immunsystem haben.
Dieses Chromosom haben Frauen doppelt, das zweite Exemplar dient wahrscheinlich als Reservepool.

Hormone
Das weibliche Östrogen wirkt lange Jahre schützend auf das Herz, es ist andererseits aber auch an der Blutstillung beteiligt, was das Risiko erhöht, eine Thrombose zu entwickeln. Besonders bedenklich ist das für Frauen, die über Jahre die Pille einnehmen.

Immunsystem
Das weibliche Immunsystem schwankt im Verlauf des Zyklus.
Frauen verfügen über eine höhere Konzentration von Immunglobulinen, welche der Abwehr dienen, während das männliche Hormon Testosteron ein hemmendes Potenzial auf das Immunsystem hat.
So lässt sich unter Umständen erklären, warum Frauen 8 mal häufiger an Lupus (SLE) erkranken als Männer und die Chronische Polyarthritis zu 70% Frauen betrifft.


Erschwerend hinzu kommt, dass die Testung von Medikamenten häufig an jungen, gesunden Männern vorgenommen wird, der Frauenanteil liegt nur zwischen 25 und 30%.

Deshalb ist die Dosierungsempfehlung von Medikamenten für Frauen nicht immer sinnvoll.

Als Beispiele seien hier genannt:

Schmerzmittel
Frauen benötigen weniger Opiate an ihren Rezeptoren, weshalb Frauen bei gleicher Dosierung wie Männer unter Umständen mehr Nebenwirkungen haben.
Paracetamol und Ibuprofen wirken bei Frauen weniger (besonders unter Pilleneinnahme).

Psychopharmaka
Diazepam hat eine längere Wirkdauer bei Frauen.

Herz/Kreislauf-Medikamente
ACE-Hemmer induzieren häufiger Husten.
Betablocker wirken wesentlich stärker, da das abbauende Enzym bei Frauen niedriger ist als bei Männern.
Die Herzinfarkt vorbeugende Wirkung von ASS wurde nur für Männer belegt.
Amlodipin wirkt bei Frauen weniger, weil es schneller ausgeschieden wird.
75% aller Nebenwirkungen von Herzglykosiden (Digitalis) betrifft Frauen.

Allergiemittel
Die Wirkdauer ist bei Frauen kürzer und die Wirkung von Kortison ist zyklusabhängig.

Wenn man all diese Faktoren bedenkt, lohnt es sich, eine umfangreiche Anamnese zu erstellen und Frauen mit ihren Beschwerden ernst zu nehmen.